Tschüss, Mijat

Warum Hoffenheim? Der Abgang eines geschätzten Spielers tut der Fanseele weh, und das trifft auch auf Mijat Gacinovic zu. „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt, Tor!“. „Mach ihn. Er macht ihn!“ Es gibt gerade im Sport Momente, die wird man für immer und ewig mit einzelnen Personen verbinden. Helmut Rahn, wie er im Regen von Bern den Ball zum WM-Titel 1954 versenkt. Oder Mario Götze, damals, Rio, 2014.

Oder eben Mijat Gacinovic.

Es waren 70 Meter, ein Lauf für die Ewigkeit, die sich eingebrannt haben in das Fußballhirn und noch tiefer in das Fußballherz von Eintracht-Fans. Damals, im Mai 2018, nach 30 Jahren ohne Titel, hatte Gacinovic den epischen Pokalsieg gegen die Bayern endgültig unter Dach und Fach gebracht.

Dass Gacinovic die Eintracht nun verlässt, nun gut, das ist der Lauf der Zeit. Spieler kommen, Spieler gehen. Gacinovic hatte in den vergangenen Jahren den Sprung vom talentierten, mit vielerlei Fähigkeiten ausgestatteten Hoffnungsträger zum etablierten Stammspieler nicht geschafft. Allein von seinen Skills her hätte er, wer weiß, zum Dreh- und Angelpunkt des Eintracht-Spiels werden können. Hätte.

Wurde er aber nicht.

Mijat Gacinovic ist die wandelnde Unentschlossenheit, die personifizierte falsche Entscheidung. Linke oder rechte Schlange im Supermarkt? Rot oder schwarz? Pizza oder Pasta? Es gibt Millkionen von Entscheidungen, die wir im Laufe unseres Lebens zu treffen haben, und bei Mijat hatte man immer wieder das Gefühl, dass er dort unten, auf dem Spielfeld, viel zu oft die falsche traf.

Und deshalb nicht zu dem Spieler wurde, der er gerne geworden wäre. Und als den ihn die Fans sicher gerne gesehen hätten. Denn eigentlich hatte Gacinovic, introvertiert, ernst, oft düster dreinblickend, die idealen Vorbedingungen, in Frankfurt auf ewig ein Held zu sein. 2016, in den existenziellen Relegationsspielen gegen Nürnberg, hatte Gacinovic im Hinspiel ein Tor geschossen, zum 1:1; im Rückspiel gab er die Vorlage zum entscheidenden 1:0-Siegtreffer durch Seferovic. Ja, und dann dieser Lauf im Pokalfinale.

Gacinovic stand zudem für einen Spielertypus, den man in Frankfurt gerne sieht. Denn hier wurden immer auch gerne feine Füßchen bejubelt, man denke nur an Grabowski und Bein, gute Kicker mit Auge, Spielwitz und Kreativität. Die hatte Gacinovic auch, einer, der mit dem Ball umgehen kann, und nicht nur das: Einer, der kämpfen kann, laufen, rackern, grätschen.

Doch eben weil er diese Fähigkeiten zu selten nutzen konnte, um Spiele wirklich zu prägen, ist der Abgang von Gacinovic der richtige Schritt, keine Frage. Für beide Seiten. Für die Eintracht, weil das Gedränge im Mittelfeld zu groß ist, Hütter eher auf seinen Liebling Djibril Sow setzt und Gacinovic nur ein Ergänzungsspieler war. Der Kader muss kleiner werden ohne europäischen Wettbewerb und in Zeiten von Corona. Aber auch für den Serben ist der Wechsel folgerichtig. Ein Tapetenwechsel, ein anderer Trainer, ein neues Umfeld, eine andere Spielphilosophie haben schon bei so vielen Kickern für Leistungsexplosionen gesorgt (siehe Filip Kostic).

Doch gerade deshalb wäre ein Wechsel ins Ausland sicher der besser Weg gewesen, nicht zum direkten Konkurrenten im Bundesliga-Mittelfeld. Und nicht zu diesem Plastikklub nach Hoffenheim. Das tut doppelt weh. Die 70 Meter von Berlin werden trotzdem für immer bleiben.

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